Der NDR hat einen kleinen Beitrag zu den Streikaktionen am 14.1.2026 gebracht, wobei Lübeck besonders im Fokus war.

Warnstreik im öffentlichen Dienst: Hunderte Menschen auf der Straße
Die Gewerkschaften ver.di und GEW erhöhen den Druck auf die Arbeitgeber im Tarifstreit. Zum Warnstreik im öffentlichen Dienst waren hunderte Menschen in Kiel und Lübeck auf der Straße.
In Lübeck waren nach Angaben der Gewerkschaften rund 300 bis 350 Menschen auf der Straße, in Kiel demonstrierten demnach 550 bis 600 Menschen für bessere Bezahlung. In Schleswig seien es rund 350 Menschen gewesen.
Ein Kollege aus Kiel schickte uns folgenden Bericht:
Auch in Kiel wurde am 14.01.2026 bei UKSH, Landesämtern und GMSH zu Warnstreiks aufgerufen worden.
Am UKSH wurden Früh- (06:00-14:00) und Spätschicht (13:00 -21:00) bestreikt. Es gab einen Notdienstvereinbarung mit verdi, die den Krankenhausbetrieb für Notfälle sicherstellen sollte. Ich bezweifele allerdings, dass es in vielen Bereichen zu streikbedingten Änderungen ggü. dem Klinikalltag gekommen ist. Ich war z.B. in der Frühschicht von meiner Station der Einzige, der am Streik teilgenommen hat. Um sechs Uhr morgens waren wir ein trauriges Dutzend Menschen vor dem Eingang des Hauptgebäudes, während an uns vorbei die Kolleg*innen zur Arbeit strömten. Zu acht Uhr war das Grüppchen auf gut 50 Personen angewachsen. Jede anständige Erkältungswelle sorgt für mehr Personalausstand als dieser Streik. Der verdi Redner versuchte sich in kämpferischer Grundhaltung und kündigte gezielte Streikmaßnahmen in Bereichen an, die dem UKSH finanziell wehtun würden (Radiologie, OP). Ob dann dort die Streikbereitschaft tatsächlich so hoch ausfällt, dass diese Bereich lahmgelegt werden können?
Ab acht Uhr sammelten sich die Streikenden am Gewerkschaftshaus, um dann ab zehn Uhr über GMSH und Bildungsministerium zurück vor das UKSH zu ziehen. Die Demo war jetzt ca. 500 Teilnehmende stark, aber angesichts der zum Streik aufgerufenen recht großen Gruppe aus meiner Sicht dann doch enttäuschend klein.
Die Einschätzung stammt von einem Menschen ohne Streikerfahrung, der nicht gewerkschaftlich organisiert ist.
Eine Kollegin meinte, wir hätten immernoch an den Folgen vergangener Fehler in der gewerkschaftlichen Arbeit zu tragen. Sie erinnerte dabei an den Streik vor 6 Jahren. Verdi hatte für den Streik 2020 eine gute Vorarbeit geleistet. Der Einsatz von Organizern und Animateuren hat überraschend gut funktioniert. Die Warnstreiks liefen gut und und die Demos waren voller Witz und Energie.
Und dann erreichte man ein traumhaftes Ergebnis: 97,54% stimmen für unbefristeten Streik! Statt diese Kampfstärke der Kollegen zu nutzen, versteckte man sich hinter dem Coronalockdown, vergaß Urabstimmung und Arbeitskampf. Man hangelte sich durch den Coronaalltag und vergaß den Kampf und die gewerkschaftlichen Verpflichtungen den Kollegen gegenüber. Nie wurden die Versäumnisse aufgearbeitet. Man hinterließ eine zerknirschte Belegschaft und erreichte nie wieder eine kämpferische Stimmung wie 2o2o.


