Care Revolution

Die Organisation oder besser: Bewegung “Care Revolution” ist zu wichtig, als daß wir sie nur in unsere Linkliste aufnähmen. Sie ist ein Hinweis darauf, wie sich die politische Kultur verändert und wie sehr die traditionellen gewerkschaftlichen Konzepte ausgedient haben.

Die Gewerkschaften haben ihre Autorität verloren, da sie sich als zahnlose Tiger erweisen, die sich zwar gelegentlich einer klassenkämpferischen Rhetorik bedienen, in den Auseinandersetzungen mit den Unternehmen jedoch oft vorschnell den Schwanz einziehen. An das unnötige Abwürgen des Streiks der KollegInnen der Post, werden sich Menschen unterschiedlichster Branchen noch lange erinnern. Das hat nicht gerade zu einem besseren Ansehen von Verdi geführt.

Aber auch ohne diesen Imageschaden sind die alten Gewerkschaftskonzepte auf die aktuellen gesellschaftlichen Probleme nur noch teilweise anwendbar. Ein Grundproblem ist die Konzentration auf die Stammbelegschaften, während in der heutigen Realität die Belegschaften aufgesplittert sind in vielfältigte Beschäftigungsformen, Zeitverträge, Leiharbeit, Subunternehmen, Werkverträge, Scheinselbstständigkeit und andere.

Doch gerade im Pflege- oder “Care”-Bereich geht es noch weiter. Dort sollte man die unbezahlten Tätigkeiten innerhalb der Familie nicht ausblenden. Diesen ganzen Bereich gesellschaftlicher Reproduktionsarbeit widmet sich die Care Revolution.

Aus dem Selbstverständnis dieses Netzwerkes:

Das Netzwerk Care Revolution ist ein bundesweiter Zusammenschluss von über 70 Gruppen und Personen, die in verschiedenen Feldern sozialer Reproduktion – Hausarbeit, Gesundheit, Pflege, Assistenz, Erziehung, Bildung, Wohnen und Sexarbeit – aktiv sind. Gemeinsam ist ihnen der Kampf gegen Lücken in der öffentlichen Daseinsvorsorge, die zu Überforderung und Zeitmangel führen. Langfristig streben wir neue Modelle von Sorge-Beziehungen und eine Care-Ökonomie an, die nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt, und die Sorgearbeiten und Care-Ressourcen nicht nach rassistischen, geschlechtlichen oder klassenbezogenen Strukturierungen verteilt.

Care Revolution ist ein Konzept, mit dem sich Gruppen und Initiativen für einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel und die Wertschätzung von Care-Arbeit einsetzen. Ihr Ziel sind gesellschaftliche Rahmenbedingungen, unter denen alle Menschen ihre Bedürfnisse, insbesondere bezüglich der Sorge umeinander, befriedigen können. Hierfür wurde 2014 ein deutschlandweites Netzwerk gegründet.

Mit folgenden Schritten wollen sich Aktivisten der Care Revolution dem Ziel guter Sorge und eines guten Lebens nähern:

  • Realisierung von Zeitsouveränität und Existenzsicherheit (hierzu gehören u. a. Arbeitszeitverkürzungen, eine Erhöhung des Mindestlohns und Kampagnen für ein Bedingungsloses Grundeinkommen)
  • Ausbau sozialer Infrastruktur (z.B. im Sinne gut ausgestatteter, kostenloser Gesundheits- und Bildungsinstitutionen, öffentlichen Nahverkehrs, der Verfügbarkeit von Wohnraum, Unterstützung von Selbsthilfenetzwerken)
  • Demokratisierung und Selbstverwaltung des Care-Bereichs (z.B. durch dezentrale Gestaltung, Selbstorganisation vor Ort)

Zielsetzung ist eine solidarische Gesellschaft ohne Diskriminierungen und Ausschlüsse und eine Ökonomie, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert.

 

Mehr Informationen über diesen interessanten politischen Ansatz findet man auf der Homepage der Care Revolution, aber auch bei Wikipedia.

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