Es wird gefeiert! Basta!

Die Bauarbeiten werden für abgeschlossen erklärt und jetzt wird gefeiert! Sarah Connor tritt auf. Aber jenseits der Profiteure der neoliberalen Umwälzung  des Gesundheitswesens, mag keine Freude aufkommen.

Selbst den Hofberichterstattern der Kieler Nachrichten ist nicht zum Feiern zumute: “Die Eröffnung des neuen UKSH-Klinikums in Kiel mit Stargast Sarah Connor weckt bei einem Abgeordneten im Landeshaus unschöne Erinnerungen. Die HSH Nordbank feierte ihre Geburtsstunde vor 16 Jahren auf einer Party mit dem US-Star Bon Jovi und wurde später zum Milliardengrab.”

Der Hinweis auf die HSH Nordbank ist wichtig. Die Landespolitik ist nicht in der Lage, die kriminellen Machenschaften dubioser Finanzjongleure aufzuarbeiten. Stattdessen wird unter den Teppich gekehrt und weitergemacht wie bisher. Mögen viele Finanztransaktionen beim UKSH verschleiert und so undurchsichtig sein wie bei der HSH Nordbank, so ist die Grundtendenz seit langem klar und vieles von dem ist in diesem Blog nachzulesen. Bereits 2015 berichteten die KN:

„Finanzierung ist regelwidrig“
Dieses Zweckentfremden wird zwar in kleinerem Maßstab in vielen Krankenhäusern praktiziert – beim UKSH-Masterplan werde sie aber von vornherein zum Finanzierungsmodell erhoben.

Im gleichen Jahr titelte die SHZ:

Kieler Uniklinik: Erst Keimskandal, jetzt Millionengrab

SHZ

Die Zahlen, die in der Öffentlichkeit kursieren, mögen zwar widersprüchlich sein, doch sicher ist, daß mal wieder Unsummen aus dem Steuersäckel in einem ominösen Schwarzen Loch verschwinden werden.

Aktuell schreibt die KN:

KN 15.8.2019

und

Es geht aber nicht nur um Filz, wahrscheinlich auch kriminelle Energie, und das, was wir als Steuerzahler verlieren, sondern es geht um die Veränderungen in der Gesundheitswirtschaft, die wir als Beschäftigte und auch als Patienten zu spüren bekommen. Für uns gibt es nichts zu feiern!

Wir erinnern an dieser Stelle ausdrücklich an die Unterbesetzung der Stationen und die unwürdigen Bedingungen für das Servicepersonal!

 

Folgendes Flugblatt wurde zu den “Feierlichkeiten” verteilt:

Nichts zu feiern!

Kulturprogramm und feierliche Reden können an dieser Tatsache nichts ändern: Die Fertigstellung von Bauarbeiten am UKSH bedeutet keinesfalls ein Ende der Skandale um die Finanzierung und die Qualität der Pflege und Behandlung von Patienten am UKSH.

Wer die Berichte der letzten Jahre ein bisschen verfolgt hat, dem dürften die skandalösen Zustände am UKSH und anderen Krankenhäusern im Bundesgebiet nicht neu sein: wundgelegene Patienten, mulitresistente Keime, Krankenhausinfektionen, Überstunden, Überlastungen, nicht eingehaltene Hygienemaßnahmen, geringe Bezahlung, unterbesetzte Stationen, endlose Wartezeiten, Kunstfehler. Wer heute als Patient ins
UKSH geht, kann nicht davon ausgehen, gut versorgt zu werden und Beschäftigte befinden sich täglich im Dilemma ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden zu wollen und es aufgrund der vorherrschenden Arbeitssituation nicht zu können. All dies sind Folgen eines rigorosen Sparzwanges, während gleichzeitig das Ziel verfolgt wird, den Umsatz zu steigern und den Gewinn zu maximieren. Die Menschen sind im Kapitalismus seit jeher nur als Ware Arbeitskraft von Interesse, als Funktionen in der Produktion, deren alleiniger Zweck die Produktion ist. Das könnte eigentlich eine Binsenweisheit sein. Doch ist es das nicht einmal für die Interessensvertreter der Arbeitenden.

Die Missstände, die schon vor Baubeginn bekannt waren, haben sich während der Bauphase verschärft und es sind neue hinzugekommen. So haben sich die Kosten für das Bauvorhaben über die Jahre mehr als verzehnfacht. Zu dieser Kostenexplosion kam es, obwohl schon während der Baumaßnahmen an allen Ecken gespart wurde und z.B. ein Großteil der Bauarbeiten von osteuropäischen Arbeitern unter unwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen ausgeführt wurde. Die horrenden Mehrkosten werden auch zukünftig durch weitere Sparmaßnahmen und prekäre Arbeitsbedingungen, das heißt weitere Überstunden, weitere Überbelastung, weitere Unterbesetzung, ausgeglichen.

Da kann Jens Scholz noch so sehr von der Digitalisierung des Klinikums schwärmen und die Medien Bilder von schnuckeligen Pflegerobotern zeigen, der Normalbetrieb des Klinikums für Personal und Patienten ist und bleibt inakzeptabel. Mit Outsourcing, einer Aufspaltung der Belegschaft und neuen Hierarchien, hat man den Arbeitsdruck weiter erhöht. Die Unzufriedenheit des Servicepersonals ist enorm und wird kaum von Medien aufgegriffen. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind für die Beschäftigten und die Patienten krankmachend. Einige Beschäftigte flüchten sich in Leiharbeit, die ein Stück weniger Verantwortung im Job verspricht, in Weiterbildungsmaßnahmen oder sie wechseln in eine völlig andere Branche.

Patienten und UKSH-Beschäftige haben keinen Grund zu feiern.

Initative zur Untergrabung kollektiven Einvernehmens

Der „Stammtisch der Ausgebeuteten“ trifft sich jeden 1. Donnerstag im Monat in der Bambule in Kiel-Gaarden – das nächste Mal am Donnerstag, den 5.9.19 um 19 Uhr.

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