Der Streik

Die Demonstration am 4.2. galt als Steigerung der Streikaktivitäten. Der NDR berichtet:

Kiel und Lübeck: UKSH-Mitarbeiter im Warnstreik

Sie fordern vor allem bessere Arbeitsbedingungen: Mitarbeiter des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) streiken auch heute. Für die bei ver.di organisierten Pflegekräfte ist es nach Montag der zweite Tag des Ausstands, für die Ärzte aus dem Marburger Bund der erste. Die Angaben über die Zahl der Teilnehmer gehen weit auseinander: Die Gewerkschaften meldeten insgesamt 1.150 Teilnehmer, UKSH-Sprecher Oliver Grieve spricht von 370 Mitarbeitern.

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Kiel-und-Luebeck-UKSH-Mitarbeiter-im-Warnstreik,uksh540.html

Ein paar Schnappschüsse:

Die Demo heute machte schon einiges her.



Die Stimmung war nicht übel. Laut und kämpferisch.

Am besten drauf waren die Auszubildenden.

Sie übertönten alle.

Viele Stimmen, Wut und Selbstbewußtsein.

Etwas bescheuert war die umgedichtete Fußballergesang (Statt “so gehen Gouchos”, “So geht die Klinikleitung”).

Ansonsten waren die Parolen nicht schlecht. Respekt auch an die Dudelsackspielerin.

Die KollegInnen hatten einiges mitzuteilen.

Erwähnenswert ist auch die Solidariät der Uniklinik Mainz.

Es ist jedefalls positiv, daß sich endlich was bei uns bewegt. Die Zustände verlangen, daß es nicht weitergeht, wie bisher.
Die gute Stimmung und Lautstärke auf der Demo vermittelten Kraft und Selbstbewußtsein der Beschäftigten.
Es gibt aber auch Kritik. Die KollegInnen fühlen sich von der Gewerkschaft entmündigt. Sie fühlen sich als Statisten in einem Kampf, den sie nicht selbst organisiert haben. Sie kennen aber die Probleme selbst am besten und sie wissen selbst, wo Widerstand der Klinkleitung am meisten weh tut. Sie können selbst ihre Stimme erheben. Das zeigten sie deutlich, indem sie lieber ihre selbstgemachten Plakate und Schilder trugen und die vorgefertigten Verdi-Transparente am Gewerkschaftshaus stehen ließen:

Es gibt so viele Dinge, die noch zu diskutieren wären:

Wie bekommt man die verschiedenen Berufsgruppen in dem Kampf für bessere Arbeits und Pflegebedingen zusammen, von der Servicekraft über das Pflegepersonal bis hin zu den ÄrztInnen?

Wie kann man die Patienten und deren Angehörige als UnterstützerInnen gewinnen, denn es geht auch um ihre Interessen?

Wie bereitet man sich auf einen langfristigen Kampf vor, der nicht nur alle Jubeljahre zu Tarifauseinandersetzungen stattfindet, sondern ein permanenter Kampf ist, um auf Station den notwendigen Druck zu erzeugen, um die unerfüllbare Erwartungshaltung der Klinkleitung abzuwehren?

Es wurde auch ein Flugblatt verteilt, das nicht von Verdi stammte:

Die Arbeit nieder!

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat Beschäftigte des UKSH zum Warnstreik am Montag und Dienstag (3. und 4. Februar 2020) aufgerufen. Betroffen von den Warnstreiks sind alle Bereiche des Klinikums und des ZiP mit Ausnahme der stationären Kinderbetten und der geschlossenen Bereiche des ZiP. Seit Montag sind auch die Azubis der UKSH-Akademie zum Warnstreik aufgerufen. Dies geschieht im Rahmen der Verhandlungen für Entlastungen des Personals. Der Marburger Bund hat Ärzte für Dienstag ebenfalls in den Warnstreik gerufen. Ihnen geht es unter anderem auch um eine Reduktion der Arbeitsbelastung.
Wer die Berichte der letzten Jahre ein bisschen verfolgt hat, dem dürften die skandalösen Zustände am UKSH und anderen Krankenhäusern im Bundesgebiet nicht neu sein: wundgelegene Patienten, multiresistente Keime, Krankenhausinfektionen, Überstunden, Überlastungen, nicht eingehaltene Hygienemaßnahmen, geringe Bezahlung,unterbesetzte Stationen, endlose Wartezeiten, Kunstfehler. Diese Liste kann beliebig
fortgeführt werden und wer im Pflegebereich oder pflegenah arbeitet oder Bekannte dort hat, dem fallen gleich weitere Beispiele ein, die nicht Ausnahme, sondern die Regel sind. Wer heute als Patient ins UKSH oder andere Krankenhäuser geht, kann nicht davon ausgehen, gut versorgt zu werden, und Beschäftigte befinden sich täglich im Dilemma, ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden zu wollen und es aufgrund der vorherrschenden Arbeitssituation nicht zu können. Daran hat auch das von UKSHVorstand und Politik viel gerühmte „Klinikum der Zukunft“ nichts geändert – das es sogar in doppelter Ausführung in Kiel und Lübeck gibt. Mitteilungen in Regionalzeitungen und Berichte von Mitarbeitern zufolge haben sich dadurch sogar Missstände verstärkt und neue sind hinzugekommen.
All dies sind Folgen eines rigorosen Sparzwanges, während gleichzeitig das Ziel verfolgt wird, den Umsatz zu steigern und den Gewinn zu maximieren.
Die Berichterstattung über das UKSH übernimmt häufig die Schönfärberei der UKSHPressestelle.
Keiner spricht mehr von den Kosten des Neubaus, die sich über die Jahre mehr als verzehnfacht haben. Keiner spricht mehr von den osteuropäischen Arbeitern, die unter unwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen am Bau des Klinikums beteiligt waren. Lieber schreibt man von Plänen zur Digitalisierung, von „big data“ und „künstlicher Intelligenz“ und lichtet einen strahlenden Jens Scholz ab. Tatsächlich sind für solche Projekte Millionen vorhanden, Millionen, die eben nicht für mehr Personal zur Verfügung stehen, die nicht UKSH-Beschäftigten oder den Patienten zu Gute kommen.
Mit Outsourcing, einer Aufspaltung der Belegschaft und neuen Hierarchien, hat man den Arbeitsdruck erhöht. Die Unzufriedenheit des Servicepersonals ist enorm und wird kaum von Medien aufgegriffen. Einige Beschäftigte flüchten sich in Leiharbeit, die ein Stück weniger Verantwortung im Job verspricht, in Weiterbildungsmaßnahmen oder sie wechseln in eine völlig andere Branche.
Die Forderungen, die Gewerkschaften wie ver.di oder der Marburger Bund, aufstellen, sind das Mindeste, was es für eine menschenwürdigere Behandlung von Patienten und Mitarbeitern braucht. Um sie durchzusetzen braucht es eine Sprache, die von Arbeitgebern und Politik verstanden wird. Und das ist Druck, Druck, der weh tut, Druck, der klar macht, wer die Arbeit verrichtet und was fehlt, wenn diese Arbeit nicht mehr ausgeführt wird.
In anderen Ländern, wie z.B. in Frankreich ist es völlig selbstverständlich, wenn Arbeiter den eigenen Forderungen durch Arbeitsniederlegungen, Protest und zivilen Ungehorsam Nachdruck verleihen. In Deutschland tut man sich äußerst schwer damit, was völlig unverständlich ist.
Bestimmt werden unter Arbeitsniederlegungen auch jene leiden, die an der Misere kaum was ändern können. Aber ist es darum richtig, nicht zu streiken und dafür weiter jeden Tag Arbeitsbedingungen zu ertragen, die nicht nur die Beschäftigten krank machen, sondern auch Patienten? Wer mit der Gesundheit von Leuten spielt, spielt mit deren Leben!
Solche Kämpfe und daraus entstehende Verbesserungen der konkreten Lebensumstände für eine Gruppe von Menschen kann erst die Grundlage bilden für eine umfassende Veränderung der Gesellschaft zu einer, die allen Menschen wirklich angemessen wäre und in der nicht jeder Mensch ein Arbeitskraftbehälter ist und seine Funktion in einer Wirtschaft zu erfüllen hat – eine Wirtschaft, die nicht zum Ziel hat, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen.

Darum:

  • Macht dieses Mal nicht mit!
  • Widersprecht, wenn ihr schlecht behandelt werdet!
  • Zeigt eure Solidarität mit denen, die unter den miesen Arbeitsbedingungen zu leiden haben!
  • Legt die Arbeit nieder! Überall.

Initiative zur Untergrabung kollektiven Einvernehmens

Weitere Infos:
https://nord.verdi.de/presse/pressemitteilungen/
uksh-blog.netzwerkit.de/
Der „Stammtisch der Ausgebeuteten“ trifft sich jeden 1. Donnerstag im Monat in der Bambule in Kiel-Gaarden – das nächste Mal am Donnerstag, den 6.2.20 um 19 Uhr.

Update vom 11.2.2020:

Der Bevölkerung geht es nicht am Arsch vorbei, was sich beim UKSH tut. Die Streikenden erfuhren Solidarität im Holsteinstadion:

KN Foto vom 18.2.2020:

Update vom 22.2.2020:

Rund 1.000 Pflegende demonstrierten

Pflegende in Schleswig-Holstein haben am Donnerstag für bessere Arbeitsbedingungen am Universitätsklinikum (UKSH) demonstriert. Die Polizei sprach nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur von etwa 1.000 Teilnehmenden.

Auf Plakaten war u. a. zu lesen: “Eine Schwester wird schon reichen, pflegt am Ende nur noch Leichen” oder “Lost in USKH – Azubi allein auf Station”. Zu der Demonstration in der Innenstadt und einer Kundgebung vor dem Landtag hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen.

Kammer solidarisiert sich mit Pflegenden

Unterdessen zeigte sich die Pflegeberufekammer im Land solidarisch mit den Pflegenden am UKSH. “Die Pflegenden am UKSH erleben einen chronischen Personalmangel und eine Arbeit in ständiger Unterbesetzung”, sagte Kammerpräsidentin Patricia Drube. Mit der Großdemonstration in Kiel und der geplanten Urabstimmung über einen unbefristeten Streik zögen sie die Notbremse. Sie kämpften nicht für sich, sondern für eine bessere Patientenversorgung. Die Situation sei die Konsequenz einer seit Jahren verfehlten Krankenhauspolitik. Wenn Politik und Kliniken jetzt nicht gegensteuerten, liefen sie Gefahr, noch mehr Pflegepersonal zu verlieren.

https://www.bibliomed-pflege.de/alle-news/detailansicht/39920-rund-1000-pflegende-demonstrierten/

 

t-online.de:

Demo gegen UKSH  

Der Frust der Angestellten am Uniklinikum gärt

21.02.2020, 19:43 Uhr

Kiel: Der Frust der Uni-Klinik-Angestellten gärt. Menschen bei einer Demonstration in Kiel: Mitarbeiter des UKSH wollen bessere Arbeitsbedingungen. (Quelle: Sven Raschke)

Menschen bei einer Demonstration in Kiel: Mitarbeiter des UKSH wollen bessere Arbeitsbedingungen. (Quelle: Sven Raschke)

In Kiel sind die Angestellten der Uniklinik frustriert. Seit Wochen gibt es Streit um die Arbeitsbedingungen am UKSH. Bei der Demonstration hatten sie eine klare Botschaft.

Seit Wochen laufen die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Klinikleitung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte am UKSH. Doch auch nach sechs Verhandlungsrunden ist keine Einigung in Sicht. Das sorgt für Frust bei den Angestellten.

“Mehr Personal für unser UKSH”, forderten mehrere hundert Pfleger, Hebammen, Therapeuten, Anästhesisten, Erzieher und Assistenten am Donnstagnachmittag auf einem Demozug vom Kieler Hauptbahnhof bis vor den Landtag. Auch Kollegen aus der Uniklinik in Lübeck und vom Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) in Kiel waren vertreten.

Monja Feseker (23), Krankenschwester

Monja Feseker: Sie ist Krankenschwester. (Quelle: Sven Raschke)Monja Feseker: Sie ist Krankenschwester. (Quelle: Sven Raschke)

“Die Arbeit ist super, aber wir brauchen einfach mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen, weil es einfach für die Patienten nicht tragbar ist – und für uns auch nicht. Die Pflege verunmenschlicht immer mehr, weil wir keine Zeit mehr für die Patienten haben. Das ist einfach nur traurig.”

Rüdiger Schwarz (57), Krankenpfleger

Rüdiger Schwarz: Er arbeitet als Krankenpfleger. (Quelle: Sven Raschke)Rüdiger Schwarz: Er arbeitet als Krankenpfleger. (Quelle: Sven Raschke)

“Ich hoffe, dass die da oben endlich mal schnallen, dass wir einfach mehr Personal brauchen. Die sollten sich mal ein bisschen in Europa umgucken, wie das in anderen Krankenhäusern läuft. Zum Beispiel war ich vor Kurzem in Norwegen und hab mir dort eine Klinik angeguckt. Da versorgt ein Pfleger oder eine Schwester 3,5 Patienten. Ich alleine versorge elf bis zwölf Patienten. Und das ist manchmal wirklich nicht zu schaffen.”

Yvette Rathey-Nikischin (57), Hebamme

Yvette Rathey-Nikischin: Die Hebamme nimmt an der Demo teil. (Quelle: Sven Raschke)Yvette Rathey-Nikischin: Die Hebamme nimmt an der Demo teil. (Quelle: Sven Raschke)

“Die Arbeitssituation ist so, dass wir oft nur zu zweit in der Schicht sind und die Patienten nicht so betreuen können, wie wir das gerne möchten. Das ist traurig. Ich selber bin Hebamme. Wir versprechen den Frauen eine Eins-zu-eins-Betreuung und können das oft nicht leisten, müssen manchmal fünf Dinge auf einmal machen. Das ist sehr unangenehm, und man geht manchmal nach Hause mit einem sehr unguten Gefühl.”

Norbert Deinert (54), Krankenpfleger

Norbert Deinert: Er ist Krankenpfleger. (Quelle: Sven Raschke)Norbert Deinert: Er ist Krankenpfleger. (Quelle: Sven Raschke)

“Ganz viele Leute auf meiner Station sind mittlerweile gegangen – entweder komplett aus dem Beruf raus oder zu anderen Häusern. Die hoffen, dass es da etwas ruhiger ist. Durch den Umzug am UKSH hieß es, die Wege seien kürzer geworden – aber wir haben jetzt deutlich längere Wege zurückzulegen.”

Francesca Groba (24), Krankenschwester

Francesca Groba: Sie arbeitet als Krankenschwester.  (Quelle: Sven Raschke)Francesca Groba: Sie arbeitet als Krankenschwester. (Quelle: Sven Raschke)

“Ich komme von einer neurologischen Bettenstation, und eine optimale Situation wäre, dass wir unseren Patienten mit Schlaganfällen eine Rehabilitation durch unsere Pflege gewährleisten und jeden Patienten optimal betreuen können und zu jeder Zeit für sie da sind.”

Die Pflegekräfte fordern eine deutliche Entlastung am Arbeitsplatz. Doch das Angebot des Arbeitgebers, 182 neue Stellen zu schaffen, bezeichnet Frank Schischefski, Sprecher von ver.di Nord, als bei weitem nicht ausreichend.

Nötig sind aus Sicht der Gewerkschaft 420 neue Stellen und ein Belastungsausgleich für die Angestellten.Wohl müsse sich aber auch im Falle eines Generalstreiks niemand Sorgen machen, so Christian Godau von Verdi Nord: “Wir haben bei Streiks in Krankenhäusern immer Notdienstvereinbarungen. So sorgen wir dafür, dass Notfälle jederzeit abgesichert sind. Das hat ja auch bei den bisherigen Streiks gut funktioniert.”

Die Abstimmung zum unbefristeten Streik läuft noch bis zum 26. Februar. Am Ende der ersten Märzwoche soll das Ergebnis bekannt gegeben werden. Für eine positive Entscheidung sind 75 Prozent der Stimmen notwendig.

https://www.t-online.de/region/kiel/news/id_87385512/kiel-der-frust-der-uni-klinik-angestellten-gaert.html

8 Gedanken zu „Der Streik“

  1. GDS und Verdi können nicht gut miteinander.
    Marburger Bund und Verdi rufen zum Streik am selben Tag auf, doch das Pflegepersonal demonstriert in Kiel und die Ärzte in Hannover.
    Was soll das?

  2. Schöner Artikel!

    Ja, es käme drauf an, dass alle Mitarbeiter (Ärzte, Pflegekräfte, Azubis, Servicekräfte, sonstige Fachkräfte) gemeinsam mit Patienten und Angehörigen Druck machten. Und richtig ist wohl auch, dass die Gewerkschaften – so richtig und wichtig deren Arbeit im Moment grad ist – auch ein Teil des Problems sind und verhindern, dass alle zusammen an einem Strang ziehen können. Vermutlich müssten Mitarbeiter, Patienten und Angehörige das selbst in die Hand nehmen. Nur wie soll das möglich sein, wenn man mit Arbeit zugeschissen ist oder wenn man krank und in seiner Not auf sich allein gestellt ist?

  3. Pressemitteilung: ver.di Nord: UKSH Vorstand verweigert in 6. Verhandlungsrunde
    Tarifverhandlungen – ver.di Tarifkommission beschließt Urabstimmung zu unbefristeten Streiks

    “Kiel, 06.02.2020

    ver.di Nord: UKSH Vorstand verweigert in 6. Verhandlungsrunde
    Tarifverhandlungen – ver.di Tarifkommission beschließt Urabstimmung zu
    unbefristeten Streiks

    Wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) mitteilt,
    sind soeben die Tarifverhandlungen mit dem UKSH zu einem Tarifvertrag
    zur Entlastung der Beschäftigten gescheitert.

    Aus Sicht der Gewerkschaft ver.di hat sich bestätigt und verfestigt,
    was sich in den letzten Tagen und Wochen abgezeichnet hat. Der Vorstand
    des UKSH hat keinen ernsthaften Willen gezeigt, mit uns über einen
    Tarifvertrag zu verhandeln, sondern auf Zeit, Vernebelung und
    Eskalation gesetzt.

    „In der 6. Verhandlungsrunde zu erklären, man führe keine
    Tarifverhandlungen, ist schon ein starkes Stück, und wir sind entsetzt
    und enttäuscht über eine solche Strategie, die von
    sozialpartnerschaftlicher Zusammenarbeit zum Wohle von Beschäftigten
    und Patienten nichts erkennen lässt“, so Steffen Kühhirt,
    Verhandlungsführer von ver.di Nord.

    „Was jetzt folgt, hat der Vorstand allein zu verantworten. Die
    Eskalation geht nun in eine Dimension, die wir nicht gewollt haben, die
    aber nun die logische Folge ist“, so Kühhirt weiter.

    Die Tarifkommission hat beschlossen eine Urabstimmung durchzuführen, um
    die Gewerkschaftsmitglieder zu befragen, ob unbefristete Streiks nun
    erforderlich sind.

    Ob bis dahin weitere Warnstreiks folgen, wird in den nächsten Tagen
    entschieden.”

    Am UKSH droht ein unbefristeter Streik

    Die Gespräche zwischen ver.di und der Leitung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) über bessere Arbeitsbedingungen sind gescheitert. Das teilte die Gewerkschaft heute Nachmittag mit. Sechs Runden hat es bislang gegeben – alle gingen ohne Ergebnis zu Ende. Die sechste Verhandlungsrunde heute in Kiel war schon nach rund 15 Minuten beendet, wie ver.di und das UKSH gemeinsam verkündeten. Die Gewerkschaft will in den nächsten Wochen eine Urabstimmung ansetzen, um die Mitglieder zu fragen, ob nun unbefristete Streiks erforderlich seien. In der Zwischenzeit sind Warnstreiks möglich. Morgen gebe es allerdings noch keinen Ausstand, sagte ver.di-Sprecher Frank Schischefsky NDR Schleswig-Holstein.

    Konflikt spitzt sich weiter zu

    Die Gespräche sind zäh, die Fronten verhärtet. “In der sechsten Verhandlungsrunde zu erklären, man führe keine Tarifverhandlungen, ist schon ein starkes Stück”, sagte ver.di-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt. Der Vorstand des Klinikums gab sich bestürzt. “Am UKSH ist man fassungslos”, sagte Sprecher Oliver Grieve. Er nahm Kühhirt direkt ins Visier: “Wer nach 20 Minuten den Raum verlässt, weil er die formale Frage, ob es sich um ein Sondierungs- oder ein Tarifgespräch handelt, nicht wunschgemäß beantwortet bekommt, ist als Verhandlungsführer ungeeignet.” Das Klinikum bittet den ver.di-Bundesverband, “die lokale Dialogbereitschaft wieder herzustellen”. Kühhirt habe nicht zum ersten Mal Gespräche torpediert.

    https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Am-UKSH-droht-ein-unbefristeter-Streik,uksh544.html

  4. UKSH-Personal klagt an: Täglich werden Patienten gefährdet

    Mit einem eindringlichen Appell haben sich UKSH-Beschäftigte in einem offenen Brief an Ministerpräsident Daniel Günther gewendet. Darin heißt es: „Das, was wir jeden Tag mit unseren Patienten erleben, zwingt uns zu handeln. Wir können so nicht weitermachen. Das schaffen wir nicht!“ Am Donnerstag beginnt die Urabstimmung am UKSH.
    https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/UKSH-Personal-schreibt-offenen-Brief-Taeglich-werden-Patienten-gefaehrdet

    Urabstimmung über Streik beginnt später

    Die Urabstimmung für einen unbefristeten Arbeitskampf am UKSH verzögert sich: Statt am 13. Februar beginnt die Abstimmung über einen Streik für einen “Tarifvertrag Entlastung” erst am 17. Februar. Grund ist, dass Verdi die Mitglieder einzeln anschreibt.
    https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/UKSH-in-KIel-und-Luebeck-Verdi-verschiebt-Urabstimmung-ueber-Streik

  5. Zahlensalat:
    NDR

    Die Gewerkschaft ver.di beginnt heute eine Urabstimmung über einen Streik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Bis zum 26. Februar kann jedes Mitglied seine Stimme abgeben. Für einen Streik sind 75 Prozent Zustimmung nötig. Das Ergebnis soll zum Ende der ersten Märzwoche bekanntgegeben werden. In dem festgefahrenen Tarifkonflikt fordert ver.di, dass die rund 7.000 Beschäftigten durch mehr Personal entlastet werden.

    https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Verdi-startet-Urabstimmung-ueber-Streik-am-UKSH-,uksh546.html

    Süddeutsche

    Nach Arbeitgeberangaben sind im Klinikum in Kiel und Lübeck insgesamt rund 3300 Pflegekräfte beschäftigt. Laut Verdi geht es in der aktuellen Auseinandersetzung dagegen um rund 5000 Beschäftigte. Neben den Pflegern gehe es auch um die Physiotherapeuten, die Beschäftigten am Zentrum für integrative Psychiatrie (ZiP) sowie rund 600 Auszubildende.

    https://www.sueddeutsche.de/karriere/tarife-kiel-pfleger-stimmen-ueber-streik-am-uniklinikum-ab-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200217-99-945361

    Etwas albern:
    Das Klinikum bot bisher an, für die Pflege 182 Mitarbeiter mehr einzustellen. Verdi verlangt 420 Beschäftigte mehr, um eine angemessene Pflege zu gewährleisten. “Verdi hat uns gegenüber diese Forderung aber nie erhoben”, sagte ein UKSH-Sprecher.

  6. Grüne regen Schlichtung bei UKSH-Verhandlungen an

    Im festgefahrenen Konflikt um Entlastungen der mehr als 3000 Pflegekräfte am Universitätsklinikum UKSH schlagen die Grünen im Landtag einen externen Schlichter vor. Die Verhandlungspartner hätten sich völlig verhakt, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin Marret Bohn am Dienstag in Kiel.

    Der drohende unbefristete Ausstand müsse vermieden werden. Am Montag hatte die Gewerkschaft Verdi eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik begonnen.

    Nach ihrer Einschätzung könnte es dafür eine klare Mehrheit geben, sagte Bohn, die selbst Ärztin ist. Sie sei zuversichtlich, eine gut geeignete Person für eine Schlichtung finden zu können, die die Verhandlungspartner an den Tisch zurückholt. Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben gab sich zuversichtlich, eine Einigung erreichen zu können. Wenn zu der ohnehin schwierigen Situation am UKSH noch ein unbefristeter Streik dazukäme, wäre dies das Schlechteste.

    CDU: Sinnvoller Vorschlag

    „Ich halte das für einen sinnvollen Vorschlag, jemanden von draußen einzubeziehen“, sagte CDU-Fraktionschef Tobias Koch. Eine gütliche Einigung wäre im Interesse aller. Ein Streik ginge zulasten der Patienten.

    Aus Sicht von FDP-Fraktionschef Christopher Vogt ist es für eine Schlichtung noch zu früh. Erst müsse man das Ergebnis der Urabstimmung abwarten. Die Verdi-Mitglieder an den beiden UKSH-Standorten Kiel und Lübeck können noch bis Mittwoch nächster Woche ihre Stimme abgeben.

    https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Gruene-regen-Schlichtung-bei-UKSH-Verhandlungen-an

    Es ist wirklich ärgerlich, daß die Grünen einen Arbeitskampf untergraben wollen, während die Urabstimmung läuft.
    Ohne wirklichen Druck und ohne einen Arbeitskampf wird es zu keinen ausreichenden Verbesserungen kommen.
    Nicht ein Streik, sondern der herrschende Ist-Zustand geht zulasten der Patienten.

    1. Das stimmt nicht. Die Grünen wollen den Arbeitskampf nicht untergraben. Sie haben gesagt, dass zunächst einmal das Ergebnis der Urabstimmung erwartet wird. Ist aber doch sinnvoll, sich Gedanken zu machen, wie es dann weitergehen kann, oder?

  7. Nur durch Druck der Belegschaft und auch der Öffentlichkeit kann die Situation der Beschäftigten und der Patienten spürbar verbessert werden. Die Grünen hätten die Möglichkeit, sich auf die Seite der Belegschaft zu stellen und damit den politschen Druck auf die Klinikleitung zu erhöhen. Das würden sie machen, wenn ihnen an der Verbesserung des Pflege gelegen wäre. Sie zeigen aber ein größeres Interesse daran, den Streik (durch Schlichtung) zu beenden, noch bevor er begonnen hat.

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